www.18maerz.de - Aktionstag für die Freiheit der politischen Gefangenen
Veranstaltung
- Titel:
- Demo gegen Polizeigewalt
- Wann:
- 05.03.2011 17.00 h
- Wo:
- U-Bhf. Bülowstrasse - Berlin
- Kategorie:
- Demo
Beschreibung
Wir haben seine Schreie gehört. Plötzlich war es still.
Am frühen Morgen des 28. Februar 2010 alarmieren Sliemans Eltern die Polizei. Sie wünschen sich Hilfe. Ihr Sohn kann nicht schlafen, die Musik der Nachbarn ist zu laut und er ist wütend. Seine Familie hat Angst, dass es Streit mit den Nachbarn gibt. Die Polizei kann Slieman nicht gegen seinen Willen mitnehmen. Als sein Vater sagt, Slieman könne nicht zu Hause bleiben, zerren sie ihn ins Treppenhaus und verletzen ihn beim Versuch der Fesselung. Er blutet im Gesicht. Ein Polizist versprüht Reizgas im gesamten Hausflur und schlägt Slieman brutal mit dem Schlagstock gegen die Beine. Das Gas ist überall, niemand kann die Wohnung verlassen, keiner kann helfen. Slieman schreit und schreit, aber plötzlich ist es still. Die anrückenden Sanitäter versuchen Slieman wiederzubeleben, aber er stirbt im Krankenhaus. Slieman wurde 32 Jahre alt.
Die Staatsanwaltschaft hat am 30.04.2010 die Ermittlungen gegen die Polizei eingestellt. Das haben seine Familie und seine Freund_innen nicht hingenommen. Durch ihren Kampf wurden die Ermittlungen im Februar 2011 wieder aufgenommen.
Klaus Jürgen Rattay, Halim Dener, Oury Jalloh, Dennis Jeckel, Slieman Hamade – Wir werden Euch nicht vergessen!
No Justice – No Peace! Kein Friede mit dem deutschen Polizeistaat!
DEMO | 5.März | 17 Uhr | U-BHF Bülowstrasse
Die Verlobte von Slieman hat einen Text geschrieben in dem sie ihre Erinnerungen, Gedanken und Gefühle zu dem Tod von Slieman schildert. Ähnlich wie Dennis starb Slieman durch die Hände von Berliner Polizisten. An dieser Stelle möchten wir uns für den Text bedanken und den Menschen die Slieman nahe standen unser Beileid aus.
Durch Nichts und wieder Nichts wird er von Polizisten als “Störer” abgestempelt und des Hauses verwiesen. Ein Jeder würde sich ungerecht behandelt fühlen und sich das nicht bieten lassen. Slieman will zurück in seine Wohnung, doch die Polizisten sehen darin eine Gefahr, eine Gefahr für ihren verletzten Stolz und gehen auf ihn los. Sie fesseln ihn und treten ihn, er wehrt sich. Sie rufen Verstärkung, die Verstärkung kommt und greift ohne Vorwarnung direkt zum RSG (Pfefferspray) und sprüht es auf den am Boden liegenden und gefesselten Slieman, auf dem auch noch ein Beamter sitzt, direkt ins Gesicht und in die Atemwege.
Slieman bekommt bis dahin schwer Luft, jetzt noch schwerer und bald gar keine Luft mehr. Er hat keine Chance, sein Herz hört auf zu schagen. Die Polizisten schleifen ihn das Treppenhaus hinunter und sie wollen nicht gemerkt haben, dass er nicht mehr atmet. Minuten danach beleben sie ihn wieder und rufen einen Rettungsdienst. Slieman hat keine Chance, er liegt im Koma und verliert Unmengen an Blut. Er kämpft ums überleben aber das alles war zu viel, mehr als ein Mensch ganz allein gegen fünf Uniformierte wegstecken kann.
Slieman verstirbt mit gerade mal 32 Jahren an einem “unnatürlichen Tod”. Ärzte können nicht erklären oder wollen nicht erklären dass die maßlose Gewalt der Beamten daran schuld ist, dass Sliemans Mutter und sein Vater keinen Sohn mehr haben, seine Schwestern keinen Bruder mehr haben, seine Verlobte keinen Verlobten… Die Lücke und der Schmerz in unserer Mitte sind größer als es Worte beschreiben könnten.
Ich habe aus meinen Gedanken geschrieben, aus meinem Herzen, das was mir in den Sinn kommt wenn ich an den Abend denken muss. Ich weiß es klingt krass aber die Realität ist krasser und ich versuche mir nichts schön zureden. Den Schmerz zu ertragen macht uns zudem was wir sind. Tut mir Leid, bei mir kommt gerade die ganze Trauer und Wut hoch.
Veranstaltungsort
- Location:
- U-Bhf. Bülowstrasse
- Straße:
- U-Bhf. Bülowstrasse, Schöneberg
- Stadt:
- Berlin
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